Die Geschichte der Dorfkirche
vom Heiligen Kreuz in Ottbergen

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Die Ottberger Kirche heute

Das eigentliche Geburtsjahr der heutigen Pfarrkirche vom Heiligen Kreuz in Ottbergen liegt im tiefen Dunkel frühalterlicher Geschichte.
Die wohl erste und auch historisch bedeutsame Mitteilung über eine Pfarrkirche in der Ortschaft Ottbergen bringt die älteste Archidiakonatseinteilung der Diözese Paderborn aus dem Jahre 1231. Diese ist aufgezeichnet in der "Geschichte des Altertums Paderborn" wo Ottbergen zuerst als Pfarrei, die zum Archidiakonat Höxter gehört, genannt wird. Dies besagt, daß in Ottbergen ein Gotteshaus mit Zubehör (Pfarrei, Kirchenland, Kirchenausstattungen usw.) bestanden haben muß.
Bereits 1226 soll der Corveyer Abt Hermann von Dassel den Fratres Kalendarii die Genehmigung zum Bau einer Kirche erteilt haben, da milde Gaben den Fratres zur Verfügung standen.
Die historische Erwähnung der Genossenschaft der Calandsbrüder in Ottbergen muß dagegen sehr stark angezweifelt werden, da in aussagefähigen Urkunden das Vorhandensein dieser Ordensbrüder in Ottbergen nicht nachweisbar ist. Die Calandsbrüder waren eine barmherzig tätige Gemeinschaft, die im niederdeutschen Raum, in Frankreich und in Ungarn sehr häufig vertreten waren. Die zentrale Lage der Ortschaft Ottbergen wollte der Abt Hermann unbedingt nutzen und machte sich dabei die Meinung der von Paderborn delegierten kirchlichen Visitatoren zu eigen, mit der Maßgabe, daß eine Kirche gebaut werden müßte. Ein weiterer Gedanke des Corveyer Abtes lag in der christlichen Betreuung des Nethetales. Im Jahre 1234 wurde mit dem Bau eines Klosterhauses in Ottbergen begonnen und vom Abt aus dem thüringischen Cistercienserinnenkloster der Abtei St. Katharina in Eisenach Nonnen nach Ottbergen berufen. Ein großer Troß mit 16 Cistercienserinnen traf noch im gleichen Jahr in Ottbergen ein und nahm Besitz von der neuen Unterkunft. Damit wurde Ottbergen ein bedeutender Ort klösterlichen Lebens.

Mit sehr viel Mühe und weiser Unterstützung des Abtes von Corvey richteten die Nonnen nicht nur ihre klösterliche Unterkunft ein, sie weiteten ihre durch milde Schenkungen notwendigen Grundbesitze weiter aus und waren in ganz kurzer Zeit wirtschaftlich fast unabhängig.

Aber das rauhe Nethetal mit seinen häufigen Überschwemmungen und langanhaltenden Unwettern setzte den Nonnen arg zu. Ihre Ernten wurden derart vernichtet, daß Notstand gegeben war. Dazu kamen laufend Bedrohung und räuberische Überfälle seitens durchziehender Wegelagerer, so daß schließlich die Äbtissin der Abtei St. Katharina in Eisenach in Abstimmung mit dem Abt von Corvey den Cistercienserinnen die Erlaubnis erteilte, ihren Standort zu wechseln. Nach zweijähriger Tätigkeit in Ottbergen gaben sie ihr Kloster auf, um im Brückfeld bei Huxori (Höxter) eine neue Wirkungsstätte zu finden.

Aber auch in Höxter bleiben die Nonnen nur zehn Jahre und siedelten im Winter 1247/1248 nach Beringhusen, dem heutigen Brenkhausen. Hier bauten die Nonnen mit allseitiger Unterstützung das Kloster "Vallis Dei" (Gottestal) in ganz kurzer Zeit auf und fanden so eine Dauerheimstatt.

Wahrhaftig konnte sich dieses Kloster bis zur Säkularisation im Jahre 1803 nicht nur halten, sondern auch mächtig ausbreiten.
Nachdem das Kloster in Ottbergen von den Nonnen aufgegeben worden war, verlieh der Abt von Corvey allen Guts- und Bodenbesitz in Ottbergen dem neuen Kloster in Brenkhausen. Abt Heinrich von Homburg (1275 - 1301) hat in einer gesetzten Urkunde ausdüicklich bestätigt, daß die von seinen Vorgängern gemachten Schenkungen in den Besitz des neuen Klosters in Brenkhausen übergehen und verleiht sogar 1287 dem Kloster Brenkhausen das Patronatsrecht über die Pfarrstelle in Ottbergen. Dabei fügte er noch das Zehntrecht über die Ottberger Höfe: Tenseke, Wimelsen, Langenberg und Dudekessen hinzu.

Neueste Nachforschungen von Friedrich Wiesemann haben jedoch ergeben, daß es sich bei der Geschichte von einem Kloster in Ottbergen wohl eher um eine Fabel handeln muß, denn die tatsächliche Existenz eines solchen Klosters in Ottbergen läßt sich nicht zweifelsfrei belegen. In dem Buch "Westfälische Klöster", einer Veröffentlichung der Historischen Kommission für Westfalen, Aschendorfverlag 1992, wird ein Ottberger Kloster nicht mehr erwähnt.

Was speziell unter den Gütern in Ottbergen in der Urkunde des Abtes Heinrich zu verstehen ist, ist nicht näher angegeben. Einige Jahre später (1297) verkauft die Äbtissin von Brenkhausen dem Ritter Conrad von Papenheim ihre Klostercurie, Stenhof genannt, mit vier dazu gehörigen Hufen in Ottbergen für 80 Mark Warburger Währung.

Das Gotteshaus in Ottbergen wird in keiner Urkunde mehr erwähnt. Graf Bocholtz-Asseburg schreibt später in seiner Schrift "Beiträge zur Geschichte der Ortschaften und Sitze des Corveyer Landes" über die Kirche in Ottbergen: "Es wird wohl ein schlichtes Kirchlein durch die Kollekten entstanden sein, von dem, wie es scheint, noch der alte Chorteil der Kirche in seiner wenig zunftmäßigen Maurerarbeit, welche besonders an den Eckpfeilern des Chores zutage tritt, erhalten ist."

Auch der bauliche Zustand des Gotteshauses muß in den nachfolgenden Jahrhunderten wenig Pflege gefunden haben, denn unter dem um l500 bezeugten Pastor Tilleken wird es als völlig verfallen bezeichnet. Das braucht nicht zu verwundern, wenn man vernimmt, daß im Jahre 1510 bei der Fehde des Paderborner Bischofs Erich gegen Corvey fast das ganze Dorf Ottbergen verwüstet wurde. Pastor Tilleken erneuerte später mit seinem eigenen großen Vermögen das Gotteshaus, wie ein Brief der Äbtissin Cäcilia von Brenkhausen vom 14. April 1516 bestätigt.

Pastor Tilleken vergrößerte auch durch reichliche Landschenkung die Fundation der Ottberger Pfarrstelle.

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Der alte Hochaltar (erbaut 1699)
Nach diesem mildreichen Pastor Tilleken muß wohl die später in Ottbergen ansässige Familie Gronefeld besonders genannt werden. Dem Hausbuch der Familie Gronefeld, das Dr. Gronefeld selbst anlegte und auch persönlich schrieb, verdankt die Ortschaft Ottbergen viele historische Nachlässe. Sich auf die Pfarrkirche beziehend heißt es in diesem Hausbuch wörtlich: "Der Platz, darauf jetzt der Ottberger Kirchturm stehet, hat meinem sel. Vater gehöret, nebst dem darauf gestandene Gebaw, so drei Kornböden gewesen, es hat aber mein Vater bey damaliger reparation der Otbergischen erbärmlichen Kirche behof eines neuen Thurmes welchen mehrentheilß mein Vater sel. verschaffet, verehrt, den Keller darunter hat mein Vater für sich behalten. Die Klocken haben vor diesem und meinem Gedenken hinter der Kirchen ober der Kirchen gehenket und sein hinter dem schlechten Altar geläutet worden."
Aus dieser "reparation" stammt ohne Zweifel auch der in seiner Art auf kirchlichem Gebiet einzig dastehende Ost-Fachwerkgiebel, der zweimal vorgekragt ist und auf der "Sylle" einen lateinischen Spruch mit der Jahreszahl "07. Sept. 1693" trägt.

Inwieweit das Ottbergen im Nethetal mit dem Ottbergen bei Hildesheim verwandt ist, ist nicht festzustellen, wenn auch beide Orte den 14. September eines jeden Jahres "Kreuzerhöhung" zum Patronatsfest erhoben haben.

Man mag wohl hinsichtlich des Festes "Kreuzerhöhung" zu der Ansicht gelangen, daß im Jahre 1712 der Benediktiner Jakob Krausmann aus dem Kloster in Ringelheim des Hochstifts Hildesheim, Ottbergen im Nethetal verlassen hat, um im gleichnamigen Orte bei Hildesheim die Pfarre zu übernehmen.

Am 28. Mai 1853 schlug ein Blitz in den Ottberger Kirchturm ein und zerstörte diesen samt der schönen Turmuhr, die 1702 ein Vördener Uhrmachermeister für 46 Taler geliefert hatte. Jetzt mußte der preußische Staat, der infolge der Säkularisation des Brenkhäuser Klostergutes auch das Patronat über die Ottberger Kirche übernahm, finanzierend eingreifen und den Turm erbauen, wie er sich heute noch zeigt. Der Turmneubau wurde in den Jahren 1856/1857 vollzogen.

Der längst fällige Erneuerungsbau der Sakristei an der Südseite der Kirche erfolgte 1893. Durch diesen Neubau wurde dem ewigen und leidigen Behelf hinter dem Hochaltar ein Ende gemacht.

Das stete Wachstum der Gemeinde erforderte um die Jahrhundertwende eine Vergrößerung der Kirche. Der Teil zwischen Turm und Chor wurde durchbrochen, nach Norden zu ein neuer Chor und nach Süden hin jeweils über dem alten Grabkirchhof ein neues Kirchenschiff vorgesetzt. Anno Domini MDCCCCIV, also im Jahre des Herrn 1904, steht auf dem Grundstein der Chorbasis an der Nordseite. 1906 wurde der Weiheakt durch den Paderborner Bischof vollzogen.

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Die Segnung der neuen Glocken im Jahre 1948
Erwähnung soll noch finden, daß die im 2. Weltkrieg demontierten Glocken 1948 wieder neu beschafft worden sind. Sie wurden in Gescher gegossen und überwiegend mit Naturalien bezahlt.
Der schöne Barock-Hochaltar wurde auch in den späteren Nachkriegsjahren vollkommen neu restauriert und dürfte wohl als Kleinod der Pfarrkirche vom Heiligen Kreuz Beachtung finden.

In etwa gleicher Zeit wurden auch die noch vorhandenen Grabstätten auf dem kleinen Kirchenfriedhof an der Kirchensüdseite entfernt. Der Gedenkstein der Familie Büttner, der lange Jahrzehnte hier gestanden hat, steht heute auf einem Ehrenplatz des Ottberger Friedhofes.

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Quellenangabe:
Chronik der Pfarrkirche vom Heiligen Kreuz in Ottbergen von Anton Remmert
aus der Festschrift zur 1100-Jahrfeier von Ottbergen,
ergänzt von Friedrich Wiesemann,
illustriert von Andreas Mantey.